Das Konto abrüsten!

Selbstverständlich bin ich gegen Waffenproduktion, Waffengeschäfte, schmutzige Energie (Atom & Kohle), Nahrungsmittelspekulation, Geschäftsbeziehungen mit korrupten Regimes, Gentechnik, Tierversuche, Kinderarbeit und sonstige Menschenrechtsverletzungen. Wie kann es dann sein, dass ich mit meinem Geld genau diese Dinge finanziere, weil ich mein Konto immer noch bei einer konventionellen Bank habe? Wenn Geld „arbeitet“, soll es wirklich weiter für die Dinge arbeiten, die ich sonst aus Überzeugung vehement ablehne?

 

Dabei gibt es Alternativen: Banken, die all diese lebensfeindlichen Bereiche ausschließen und stattdessen zukunftsorientierte und nachhaltige Projekte fördern. Die Anbieter, bei denen man auch ein Girokonto eröffnen kann, sind die GLS Bank, die Triodos Bank und die EthikBank, bei der UmweltBank kann man lediglich Geld anlegen (so man welches hat). Bei diesen Banken haben nachhaltige Projekte besonders gute Konditionen und Anleger können teilweise sogar Einfluss darauf nehmen, in welchem Bereich das Geld angelegt wird. Transparenz wird – anders als bei den Herkömmlichen – groß geschrieben und die Kriterien sind klar definiert. Bei der GLS-Bank kann ich z.B. in meinem Postleitzahlbereich nachschauen und sehen, dass genau die ökologisch-biologische Vollkornbäckerei Cibaria mit Krediten gefördert wird, bei der ich auch gerne mein Brot kaufe. Das ist nach meinem Geschmack!

 

Ist der Kontenwechsel nicht umständlich und kompliziert?

Seit 18. September 2016 gilt auf Druck der EU das neue „Zahlungskontengesetz“: Nun sind Banken verpflichtet, bei der Umstellung des Kontos zu unterstützen. Faktisch sieht es so aus, dass die neue Bank sich von der vorherigen die Daueraufträge und Einzugsermächtigungen übermitteln lässt und die Partner informiert. Zur Sicherheit lässt man das alte Konto noch eine gewisse Zeit parallel bestehen und kündigt es dann. Die gesetzliche Kündigungsfrist ist ein Monat. Ich habe bereits vor diesem Datum gewechselt, aber die neue Bank (GLS) hat mich tatkräftig unterstützt. Das ging gut.

 

„Wohin mit der Knete?“

... so lautete die Überschrift eines Artikels, den ich 1987 für die Zeitschrift Graswurzelrevolution schrieb (GWR Nr. 122, Dez. 1987). Damals stützten viele Banken mit dem Verkauf des „Krügerrand“ das Apartheidsystem in Südafrika. Etwas sauberer waren die kirchlichen Banken und die Volks- und Raiffeisenbanken. Sie galten zumindest als „weniger aggressiv“. Die „Ökobank“ war noch in Gründung und bot nicht die Möglichkeit eines Girokontos. Sie wurde übrigens 2003 von der GLS Bank („Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken“) übernommen.

Mit dem Anspruch einer sauberen Geldanlage gründete sich 1975 auf Initiative des Ökumenischen Rats der Kirchen die Ecumenical Development Cooperative Society (EDCS) als Genossenschaft mit Sitz in Amersfoort (NL). Ziel war es, Kredite und Microkredite in den Entwicklungsländern zu vergeben und damit Entwicklung zu fördern. Der heutige Name ist Oikocredit. Aber auch da konnte man nur Genossenschaftsanteile erwerben, ein Girokonto gab es nicht.

Auf der Suche nach einem halbwegs sauberen Girokonto kündigte ich Mitte der 80er mein Konto bei der örtlichen „Sparkasse“ und eröffnete ein Postscheckkonto. Diese Sparte der Post war damals keine „normale“ Bank und somit waren ihr einige schmutzige Geschäfte – nicht aus ethischen, sondern aus formalen Gründen – nicht erlaubt. Das änderte sich später durch die Postreform und Gründung der Postbank. So richtig schmutzig wurde es dann ab 2009, denn ab da stieg die Deutsche Bank ein und übernahm die Postbank 2012 mehrheitlich. Letztere ist unter den deutschen Finanzinstituten der größte Investor in Atomwaffen ...

So haben mich ähnliche Gründe, die mich vor mehr als 30 Jahren zur Postbank geführt haben, nun wieder von ihr weggeführt. Es ist, wie mehrfach abbiegen, um auf dem Weg zu bleiben.

Martin Firgau

 

Nützliche Links:

urgewald: „Wie radioaktiv ist meine Bank?“, https://urgewald.org/kampagne/radioaktive-bank

lebenshaus: „Deutsche Banken unterstützen die Herstellung von Atomwaffen“, http://www.lebenshaus-alb.de/magazin/007263.html

utopia.de: „Bank wechseln: 7 Gründe, heute noch dein Konto umzuziehen“, https://utopia.de/ratgeber/bank-wechseln/

 

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Monatszeitung für eine gewaltfreie, herrschaftslose Gesellschaft graswurzelrevolution Nr. 423 (November 2017).