Yauhenia Filamenka aus Weißrussland und Anatolij Aleksandrowitsch Gubarew aus der Ukraine bei der Anti-Atom-Demo in Münster29 Jahre Tschernobyl – 4 Jahre Fukushima

 

Heute vor 29 Jahren, am 26. April 1986, explodierte Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl in der Ukraine. Wie viele Menschen starben oder schwer erkrankten weiß niemand. Allein von den Helfern ("Liquidatoren") erkrankten 125.000 schwer und mindestens 10.000 starben. Yauhenia Filamenka aus Weißrussland und Anatolij Aleksandrowitsch Gubarew aus der Ukraine besuchten gestern Münster und sprachen auf der kleinen Demo, die vom Rathaus zur RWE-Zentrale führte. Beide sind aufgrund ihrer damaligen Tätigkeit als Helfer durch Krankheit (eigene und naher Familienangehöriger) stark betroffen und berichteten sehr eindrucksvoll von ihren Erfahrungen.

 

Nun sind Jahre ins Land gegangen und auch die Katastrophe von Fukushima vor vier Jahren hat immer noch nicht dazu geführt, dass ALLE Kraftwerke stillgelegt wurden. Wir wissen, dass diese Technik extrem gefährlich und letztendlich nicht beherrschbar ist. Und trotzdem wird sie uns weitere Jahre bedrohen weil ein paar Firmen immer noch gut daran verdienen ...

 

Anti-Atom-Demo vor der REW-Zentrale in MünsterDas Kernkraftwerk Emsland bei Lingen ging im April 1988 - zwei Jahre nach Tschernobyl - ans Netz. Es ist weniger als 70 km von Münster entfernt ... Und mittlerweile ist es auch schon in die Jahre gekommen, Material ermüdet. Der letzte Störfall – eine Leckage – führte vor drei Wochen leider nur zu einer kurzen Abschaltung über Ostern. Wir sollten das AKW "Damokles-Schwert" taufen.

 

Noch näher an Münster ist die Urananreicherungsanlage Gronau, die ihr tödliches Material in die ganze Welt exportiert. Rund 10% des weltweit für AKWs benötigten Urans wird in Gronau angereichert und unter anderem in Lingen zu Brennelementen verarbeitet. Die Gronauer Betreiberfirma Urenco lieferte auch das angereicherte Uran an den Fukushima-Betreiber Tepco ... Als Abfallprodukt der Urananreicherung fällt abgereichertes Uran an, das u. a. als "Uranmunition" verwendet werden kann. Derartige Uranmunition hat schon riesige Landstriche verseucht, u.a. in Irak, Kosovo, Afghanistan. Diese Anlage ist vom "Atomausstieg" nicht betroffen und wird solange aktiv bleiben, bis unser Protest stark genug ist ...

 

Außerdem lagern in Gronau mehrere Tausend Tonnen radioaktives Material unter freiem Himmel! Die Koordinaten sind öffentlich und nur einen Klick entfernt – auch für "Terroristen" und narzisstisch gestörte Flugkapitäne ...

 

Wer diese Fakten kennt (und nicht selbst an den Gewinnen der Atomlobby beteiligt ist) kann eigentlich nur zu einem logischen Schluss kommen: SOFORTIGE Abschaltung und KOMPLETTER Ausstieg!

 

Aktion bei der Anti-Atom-Demo in MünsterUnd "Contraviento", Isabel und Martin? Unsere gemeinsame Geschichte begann durch Tschernobyl. Gemeinsam verteilten wir vor 29 Jahren in Münster die "Halbwertzeit", eine Massenzeitung, die über die Becquerel-Werte in Milch, Gemüse und Spielplatzsand aufklärte. Den lebensbedrohlichen Kräften, der Umweltzerstörung, der Diktatur und Gewalt in Chile und anderswo, dem Rassismus wollten wir unsere Liebe und kulturelle Arbeit als "Gegenwind" entgegensetzen. Wir entstanden also sozusagen als ein "Kollateral-Nutzen" von Tschernobyl ;-)

 

Martin Firgau, 26. April 2015
Danke an Jörg Schmengler für die Fotos zu diesem Artikel.

 

P.s.: 2011 gab es in Münster eine deutlich größere Anti-Atom-Demo bei der diese Aufnahme von "Gracias a la vida" entstand: https://www.youtube.com/watch?v=8wPlaR6qBGc